{"id":158,"date":"2012-10-13T13:17:14","date_gmt":"2012-10-13T11:17:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/?p=158"},"modified":"2012-10-13T13:17:14","modified_gmt":"2012-10-13T11:17:14","slug":"passivhaus-ein-blick-in-seine-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/?p=158","title":{"rendered":"Passivhaus &#8211; ein Blick in seine Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich in der Baubranche ein wenig umh\u00f6rt und sich mit H\u00e4user-Renovierung und W\u00e4rme-Isolierung besch\u00e4ftigt, wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf den Begriff eines Passivhauses sto\u00dfen. Was aber hat es wirklich damit auf sich? Handelt es sich dabei nur um ein Synonym f\u00fcr ein \u00fcberisoliertes Geb\u00e4ude?<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich versteht man unter einem Passivhaus ein Haus, das dank seiner herausragend guten W\u00e4rmed\u00e4mmung keine mechanische oder elektrische Geb\u00e4udeheizung und keine K\u00fchlanlagen ben\u00f6tigt \u2013 in anderen Worten ein Geb\u00e4ude, das bei geringem Heizbedarf dennoch h\u00f6chsten Wohnkomfort gew\u00e4hrleisten soll. Aus diesem Grund ist das Passivhaus auch keine Marke, sondern ein Baukonzept, das theoretisch von jedem in diesem Gebiet f\u00e4higen Architekten entworfen werden kann. Die technische Definition lautet wie folgt:<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Ein Passivhaus ist ein Geb\u00e4ude, in welchem die thermische Behaglichkeit (ISO 7730) allein durch Nachheizen oder Nachk\u00fchlen des Frischluftvolumenstroms, der f\u00fcr ausreichende Luftqualit\u00e4t (DIN 1946) erforderlich ist, gew\u00e4hrleistet werden kann \u2013 ohne dazu zus\u00e4tzlich Umluft zu verwenden.&#8220;<\/p>\n<p>Das Passivhaus ist also keine Erfindung \u2013 eher wurde es mit der Zeit entwickelt, indem man bereits vorhandene Techniken und Mechanismen anzuwenden gelernt hat. Rund um den Globus gab es Konzepte f\u00fcr das Passivhaus, und St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck haben sie sich schlie\u00dflich zusammengesetzt. Wir wollen euch einen kleinen Einblick in die Geschichte des Passivhauses geben.<\/p>\n<p>In zahlreichen L\u00e4ndern gibt es Gebiete, in denen weder eine aktive Heizung noch eine k\u00fchlende Anlage ben\u00f6tigt wird, einen guten Hausbau vorausgesetzt. Dort leben die Menschen in einer Art von Passivh\u00e4usern, wenn diese auch technisch nicht unter dieses Etikett fielen. In den 90er Jahren kam so die Frage auf, ob sich das Konzept des Passivhauses nicht auch in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verwirklichen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Anf\u00e4nge des Passivhauses reichen bis ins Mittelalter zur\u00fcck. Nach einer schweren Krise im 17. und 18. Jahrhundert, in der durch die \u00dcberholzung der W\u00e4lder das Brennholz knapp wurde, wurde in Island eine Technik zum H\u00e4userbau angewandt, die man heute als Torfrasenbauweise kennt. W\u00e4hrend in anderen Teilen der Welt Kohle als Heizmittel verwendet wurde, fanden die Isl\u00e4nder heraus, wie sie ihre H\u00e4user auch ohne Heizmittel warm halten konnten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/torfrasenhaeuser.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-159\" title=\"torfrasenhaeuser\" src=\"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/torfrasenhaeuser.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/torfrasenhaeuser.jpg 800w, http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/torfrasenhaeuser-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Danach folgten einige kleinere Geb\u00e4ude in verschiedenen Teilen der Welt, von denen man heute als Vorg\u00e4nger des Passivhauses sprechen kann. Die Fram, die Ende des 19. Jahrhunderts von Fritjof Nansen als Expeditionsschiff im Nordpolarmeer eingesetzt wurde, war technisch ein Passivhaus, deren R\u00e4ume durch zahlreiche Schichten aus unterschiedlichen w\u00e4rmed\u00e4mmenden Materialen gut warmgehalten wurden. Ein Ofen war zwar vorhanden, aber nicht notwendig, wie sich bald herausstellte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/Fram-Polarschiff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-160\" title=\"Fram-Polarschiff\" src=\"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/Fram-Polarschiff.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"342\" srcset=\"http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/Fram-Polarschiff.jpg 710w, http:\/\/www.bau-fachwissen.de\/wp-content\/uploads\/Fram-Polarschiff-300x171.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Jahre 1973 konstruierte der d\u00e4nische Professor Vagn Korsgaard das sogenannte \u201eDTH-Nullenergiehaus\u201c. Das Haus war ein Ergebnis von zahlreichen Simulationen und Entw\u00fcrfen. Das Haus ist bis heute intakt; die passive W\u00e4rmed\u00e4mmung wird weiterhin instand gehalten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der 70er und 80er Jahre gab es in Amerika zahlreiche Entwicklungen, die in die Richtung Passivhaus gingen; die offizielle Betitelung war hier \u201esuperinsulated houses\u201c, superged\u00e4mmte H\u00e4user. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Werke von William A. Shurcliff aus dem Jahre 1981, die auch f\u00fcr andere L\u00e4nder eine Grundlage bildeten.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland gab es zu dieser Zeit Entwicklungen in dieser Richtung. Angef\u00fchrt von H. H\u00f6rster, gab es eine vom Bundes-Forschungsministerium finanzierte Untersuchung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die wichtigsten Eigenschaften f\u00fcr ein energiesparendes Haus herauszustellen. In einem Feldversuch wurden diese schlie\u00dflich getestet. Schlussendlich konstruierte und baute das engagierte Team ein superged\u00e4mmtes Einfamilienhaus mit aktiver Solarausstattung. Bewohnbar war das Haus indes nicht; es diente nur zu rein experimentellen Zwecken.<\/p>\n<p>Einen wichtigen Anteil an der Entwicklung des Passivhauses leistete auch Amory Lovins. Zum einen wurde er weltweit bekannt durch seine Ver\u00f6ffentlichungen zu alternativen Energiepfaden, zum anderen erbaute er in mehr als 2000 Metern H\u00f6he in Old Snowmass, Colorado, ein sehr gut w\u00e4rmeged\u00e4mmtes Haus, dessen W\u00e4rme fast ausschlie\u00dflich \u00fcber die angebauten Solarzellen eingespeist wurde. Die vorhandene W\u00e4rme reicht aus, um im Wintergarten tropische Pflanzen sprie\u00dfen zu lassen.<\/p>\n<p>In der Gegend von Hannover wurde im Jahre 1989 das sogenannte \u201eNullenergiehaus\u201c errichtet, instruiert von dem Verein \u201e\u00d6kologische Zukunftswerkstatt Minimal- und Nullenergieh\u00e4user e. V.\u201c. Rein rechnerisch lagen die Bedarfswerte zwar im Bereich eines Energiesparhauses, allerdings stellte sich heraus, dass es in der Praxis mehr verbrauchte als eigentlich erlaubt. Dies lag vor allem an der Luftdichte, der Solartechnik, die die Energie speichern sollte, und den D\u00e4mml\u00e4den. Das Haus wird bis heute verwendet, wenn es auch nie entsprechend aufgestockt wurde, um die Bedingungen f\u00fcr ein Passivhaus offiziell zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Das \u201eNullenergiehaus\u201c, aber auch zahlreiche andere Passivh\u00e4user oder \u201eNahezu\u201c-Passivh\u00e4user, zeigten die Probleme und die technischen Schw\u00e4chen auf, mit denen die Architekten stark zu k\u00e4mpfen hatten, und die sie erst nach und nach \u00fcberwanden. Dennoch waren die hier aufgezeigten Entwicklungen essentiell f\u00fcr die Begriffsbildung des Passivhauses, wie wir es heute kennen.<\/p>\n<p>Als problematisch erwies sich etwa, dass die Luft dauerhaft eine bestimmte Dichte besitzen muss. Der schwedische Professor Arne Elmroth hat diese Angelegenheit lange in seinen Ver\u00f6ffentlichungen thematisiert.<\/p>\n<p>Daneben schmerzte aber auch der Mangel an wirklich <a title=\"Mit den richtigen Fenstern und T\u00fcren kann ein wichtiger Beitrag zur Heizkostenersparnis erfolgen\" href=\"http:\/\/www.vb-homburg.de\/pages\/fenster-tueren.html\" target=\"_blank\">energieeffizienten Fenstern<\/a>. Man war noch nicht in der Lage, die Fensterrahmen thermisch ausreichend zu trennen. Dies f\u00fchrte dazu, dass man die Fenster aufw\u00e4ndig mit tempor\u00e4ren D\u00e4mmungs-Methoden \u201epolstern\u201c musste, oder dass man nur sehr kleine Fenster verwendete.<\/p>\n<p>Vor allem aber war die zur Energied\u00e4mmung verwendete Technik nicht sehr verl\u00e4sslich. Oftmals konstruierten die Architekten eine aufw\u00e4ndige, weitreichende Technik, die sich aber als nur tempor\u00e4r funktionierende Methode herausstellte, oder die gar nicht funktionierte \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das man heute gerne als \u201etechnological christmas tree\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Diese Probleme konnten erst in der neueren Zeit gel\u00f6st werden; teilweise suchen die Techniker bis heute noch nach effizienteren M\u00f6glichkeiten. Gerade in der Schweiz und in \u00d6sterreich gab es Ende des letzten Jahrhunderts viele Pioniere, die die Techniken zum Bau eines effizienten \u00fcberged\u00e4mmten Hauses weit voranbrachten und es schlie\u00dflich zu dem werden lie\u00dfen, was es heute ist.<\/p>\n<p>Heute werden Passivh\u00e4user in der ganzen Welt munter gebaut und verwendet, mit ganz unterschiedlichen Methoden \u2013 die Norm f\u00fcr Passivh\u00e4user schreibt n\u00e4mlich keine bestimmte Technik vor. Vielmehr gibt es stets neue Entw\u00fcrfe zum Passivhaus \u2013 jeder bewanderte Architekt sollte in der Lage sein, ein solches zu entwerfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich in der Baubranche ein wenig umh\u00f6rt und sich mit H\u00e4user-Renovierung und W\u00e4rme-Isolierung besch\u00e4ftigt, wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf den Begriff eines Passivhauses sto\u00dfen. Was aber hat es wirklich damit auf sich? 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